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Vor einigen Monaten wollte ich gerade den von mir ungelesenen Landkreisteil der «Fürther Nachrichten» in die Altpapiertonne werfen, als ich spürte, dass da noch etwas Wichtiges für mich zu lesen sei. Ich blätterte auf und fand einen Artikel über einen Konvoi nach Nepal, der vom Cadolzburger Bergsteiger Manfred Losert organisiert wird. Der Konvoi sollte Kranken- und einen Feuerwehrwagen sowie Lastwagen nach Nepal bringen, um dort ein Dorf für verlassene Kinder und ein neu zu bauendes Krankenhaus zu unterstützen. Dazu würden noch Fahrer und Beifahrer gesucht, hieß es unter anderem.
Nepal: Deoralipass Wohl in erster Linie aus Abenteuerlust spielte ich mit dem Gedanken, bei der sechswöchigen Tour über 12.000 Kilometer mitzufahren. Familiäre und finanzielle Gründe hielten mich letztendlich davon ab. Ich übernahm jedoch eine Patenschaft für das Kinderdorf. Tags darauf rief mich Manfred Losert an und bedankte sich für die Patenschaft, aber er sagte mir, es gebe schlechte Nachrichten aus dem Dorf: Ein Bergrutsch habe gerade in der vergangenen Nacht das Kinderdorf und die umgebende Siedlung heimgesucht. Fürther Nachrichten: »Mit dem Monsun kam die zerstörerische Flut« (ext. Link) Ich übernahm daraufhin im Rahmen meiner Möglichkeiten die Pressearbeit und versandte über alle meine E-mail Verteiler –inklusive jenem des Stadtheimatpflegers– Hilferufe für das Dorf. Von den Nepalfreunden hörte ich in diesem Zusammenhang in einer Woche öfters "Danke" als in 13 Jahren als Vorsitzender des Altstadtvereins – das gibt zu denken, wie mein Webmaster sehr richtig feststellte. Nepal liegt zwischen China und Indien ca. 6600 km Luftlinie von Deutschland entfernt, auf dem Landweg muss man fast das Doppelte rechnen. Nepal ist eines der ärmsten Länder der Welt. Für Waisenkinder und Schulbildung haben Staat und Gesellschaft leider kaum etwas übrig. Viele Menschen und Kinder arbeiten und leben hier in für Europäer nahezu undenkbaren Verhältnissen. Gerade für Trekker und Bergsteiger ist Nepal zum beliebten Reiseziel geworden. Manche Besucher fühlen sich jedoch bedrückt von der Armut und ergreifen entsprechende Initiativen. Dies führte beispielsweise zur Gründung des Vereins Freundeskreis Nepalhilfe e.V., in dem sich auch der bekannte Cadolzburger Bergsteiger Manfred Losert sowie Manfred Rödermund (aus Unna) -ebenfalls Bergsteiger- mit der Nepalhilfe im kleinen Rahmen engagieren. Letzteres ist kein Verein, deswegen läuft das Spendenkonto über die Marktgemeinde Cadolzburg.
Das Annapurna Gebiet bei Pokhara zieht zunehmend westliche Touristen, Trekker und Bergsteiger an. Hier die Annapurna-Südwand, fotografiert von Manfred Losert. Im Jahre 2000 kaufte der »Freundeskreis Nepalhilfe« am Rande der Stadt Pokhara ein ca. 17.000 qm großes Grundstück und gründete dort ein Kinderdorf für Waisen und auf sich alleine gestellte Kinder. Pokhara, zweitgrößte Stadt Nepals mit 160.000 Einwohner, ist für zahlreiche Touristen ein Ausgangspunkt für Trekking-Touren um das Annapurna-Massiv und beherbergt seit der Besetzung Tibets durch die Chinesen viele Flüchtlinge aus Tibet. Das Kinderdorf im Ortsteil Bhakunde besteht heute aus vier neugebauten Kinderhäusern (Häuser A bis D) und vier Multifunktionsgebäuden. Bis zum Unglück wohnten im Kinderdorf 80 Kinder. Jüngst (April 2007) wurde mit Hilfe der »Nepalhilfe im kleinen Rahmen« das vierte Waisenhaus fertiggestellt, für das bisher zehn Kinder aufgenommen wurden. Für den Bau sammelte die »Nepalhilfe im kleinen Rahmen« 25.000 Euro, die Inneneinrichtung übernahm der »Freundeskreis Nepalhilfe e.V.«. Am 9. Januar 2008 startete ein Konvoi (u.a. ein Kranken- und ein Feuerwehrwagen) von Cadolzburg nach Nepal (Landweg ca. 12.000 km), um mit diesen Fahrzeugen die Infrastruktur zu verbessern.
Das neugebaute Kinderhaus D, finanziert von der "Nepalhilfe im kleinen Rahmen". Hier sollten demnächst Kinder einziehen. Nun ist es beschädigt und bedroht durch Schlamm-, Geröll- und Wassermassen (im Vordergrund abgegange-nes Geröll). Haus A (nicht im Bild) ist schwer beschädigt. In der Nacht vom 7. auf 8. September 2007 ging nahe der Stadt Phokara nach ungewöhnlich heftigen Regenfällen ein gewaltiger Erdrutsch nieder, der das gesamte Gebiet nördlich des (bei Phokara gelegenen) Phewa-Sees in Mitleidenschaft gezogen hat. Im globalen Maßstab ist die Katastrophe allerdings nicht groß genug, um die Schlagzeilen zu beherrschen. Im Katastrophengebiet befindet sich ein mit deutscher Hilfe aufgebautes Dorf für verlassene Kinder. Beteiligt war auch die in Cadolzburg ansässige »Nepalhilfe im kleinen Rahmen«, mit deren Hilfe jüngst im Dorf ein neues Kinderhaus erstellt wurde. Auch ich selbst habe eine Patenschaft übernommen. Das Dorf wurde teilweise zerstört und musste evakuiert werden.
Flucht aus dem Kinderdorf am Samstag, 8. September 2007. Der kleine Bach ist zum reißenden Strom geworden. Im Vordergrund die nepalesische Hausmutter Niru Gurung. Eine Lehrerin und Mitarbeiterin im Kinderdorf, Dr. Gabriele Söhling, berichtete von der Evakuierung der Kinder und der aktuellen Situation: »Einige meiner Schüler haben kein Zuhause mehr. Die Strasse ist an vielen Stellen überspült... Nachdem wir entschieden hatten, das Dorf zu verlassen, wurde noch mal gekocht und gegessen, die Kinder packten alle eine Tasche mit Klamotten und dann war es schon beinahe 17 Uhr, als wir dann endlich mit der ganzen Mannschaft loskonnten. Inzwischen hatte es wieder angefangen zu regnen. Mit Hilfe einiger Dorfbewohner -die meisten hatten Bhakunde inzwischen verlassen- kamen wir über den Fluss. Eine halbe Stunde später wären wir nicht mehr rausgekommen!« Nach dem Unglück haben auch viele Bewohner der Umgebung ihre Dörfer verlassen, 120 Menschen sind obdachlos geworden, fünf Personen kamen ums Leben. Der Sachschaden im Kinderdorf wird auf mindestens 60.000 Euro geschätzt. Strom- und Wasserversorgung sind zerstört, die Essensvorräte vollständig unbrauchbar geworden. Die Kinderhäuser sind durch Schlammlawinen beschädigt und renovierungsbedürftig. Leider haben viele Kinder und Mitarbeiter eine Augeninfektion, vermutlich durch unsauberes Wasser. Viel schlimmer als das Kinderdorf ist die reguläre Siedlung Bakhunde selbst getroffen:
Zerstörte Häuser in Bakhunde nach dem Unglück vom 8./9. September 2007. Eine e-Mail vom 4. Oktober 2007 aus Bakhunde von der Projekt-Mitarbeiterin Monika Volz beschreibt den jetzigen Stand der Dinge: »Namaste aus Pokhara! Heute ist der 5. Tag, an dem es abends nicht mehr geregnet hat. Tagsüber ist es sonnig und heiß, die Landschaft sieht traumhaft schön und friedlich aus. Doch muss man auf der Strasse von Lakeside nach Bhakunde an mehreren Stellen mit Geröll, riesigen Steinen durch tiefe Wasserlöcher fahren. Busse fahren zwar wieder nach Bhakunde, doch Taxen sind nicht leicht zu bekommen wegen der gen. Behinderungen und auch wegen der landesweiten Benzinknappheit. In der Umgebung von Bhakunde, unserem Kinderdorf, sind oben in den Waldgebieten mind. 35 Gerölllawinen herunter gekommen. Wer heute auf dem 'normalen' Weg ins Kinderdorf kommt, wird sich vielleicht fragen, was hier los war, denn von einer Naturkatastrophe ist auf den 1. Blick nicht mehr viel zu sehen. Doch steigt man die Strasse im Kinderdorf weiter hoch zu den Wassertanks, dann erkennt man erst das Ausmaß des Erdrutsches. Es erscheint mir wirklich wie ein Wunder, dass das Kinderdorf nicht mehr Schaden erlitten hat. Eine gewaltige Gerölllawine vom Sarankot herunter führt direkt aufs Kinderdorf zu und teilt sich jedoch oben vor den Wassertanks in mehrere Ströme; davon führen zwei verheerende Wasser- und Stein-Ströme rechts und links an unserem Grundstück und der Schule vorbei. sie haben Häuser und Vieh mitgerissen und eine Steinwüste (z.T. mit haushohen Steinbrocken) und entwurzelte Bäume hinterlassen. In der Woche nach dem Erdrutsch kam die Armee und hat, tatkräftig von unseren Männern und größeren Buben unterstützt, geholfen, die meisten Steine im Kinderdorf wegzuräumen. Alle Mitarbeiter haben in den letzten 3 Wochen schwer geschuftet. Deshalb sieht es heute einigermaßen aufgeräumt aus. Aber an der Kinderdorfstrasse und den Brücken und vor allem am Bachbett sind sofort Sicherungsmaßnahmen erforderlich, für die wir die eingegangen Spenden gleich verwenden. Nachdem alle Kinder einige Tage kostenlos von Sonam Sangpo im Tibet Ressort, in dem ich jetzt wohne, aufgenommen wurden, sind sie wieder in ihren Häusern und auch in der Schule ist wieder regulärer Unterricht. Von den vier Kinderhäusern war eines beschädigt; inzwischen ist es jedoch innen und außen renoviert und wieder bewohnt, ebenso konnte der Generator repariert werden und auch die Wasserleitung. Das neue Kinderhaus D ist fertig, hat aber noch keine Einrichtung. Ob die noch unter Wasser stehende Biogasanlage funktioniert, muss erst noch getestet werden. Für die Sofortmassnahmen (Wasserleitung, Strasse und Bachbett ca. 30.000 Euro) müssen wir die bisher eingegangen Spenden schnellstens einsetzen. Weitere Sicherungsmaßnahmen des Baches neben und oberhalb des Kinderdorfs vor dem nächsten Monsun sind dringend nötig und werden zurzeit -auch mit spez. Ingenieuren- besprochen.« Inzwischen sind nicht weniger als 50.000 Euro Spenden eingegangen, 10.000 Euro kamen alleine von Manfred Loserts »Nepalhilfe im kleinen Rahmen«. Mit dem Geld wird derzeit in Zusammenarbeit mir einem in Sachen Erdrutsch erfahrenen Landschaftsingenieur ein »Masterplan« zum Schutze des Kinderdorfes und dem Ort selbst erarbeitet. Der Plan soll rechtzeitig vor dem Monsun 2008 umgesetzt werden.
Ang Tshering Sherpa und die anderen Kinder sind zurück im Kinderdorf und haben mit den Aufräumarbeiten begonnne. Für die Feinheiten der jüngeren deutschen Geschichte ist momentan keine Zeit... Fürther Nachrichten: »Fürther Hilfsgüter auf Nepalreise« (ext. Link) Nachdem schon am 10. Januar der Konvoi auf dem Landweg nach Nepal abging (siehe unten), wurde am 19. Januar 2008 im Klinikum Fürth (Parkplatz ehem. Kinderklinik) ab 7 Uhr morgens ein Container beladen, der via Hamburg mit einem Schiff nach Kalkutta (Indien) transportiert wird (3 Wochen Fahrzeit). In den Container (12 x 2,5 x 2,5 m) werden aus den Lagerräumen im Klinikum Nähmaschinen, Krankenbetten, Rollstühle, Waschmaschinen, Schultafeln, Kleider, Spielsachen, Brillen, Medikamente, ein Röntgengerät, Fahrräder und vieles mehr eingeladen. In Kalkutta wird der Inhalt von zwei LKW einer nepalesischen Spedition über 1200 km nach Nepal gebracht und an das Kinderdorf, aber auch an diverse Schulen, Waisenhäuser und an Straßenkinder verteilt. Der Container geht dann (leider) leer zurück, da wir mit dem Import und Verkauf von Waren in dieser Größenordnung überfordert wären.
Beladung des Containers mit Hilfsgütern Den Container haben auf Initiative von Werner Fischer (Fa. HWF) folgende Firmen gesponsert, denen unser besonderer Dank gilt:
Abfahrt vom Fürther Klinikum Am 10. Januar 2008 startete um 15 Uhr von Großhabersdorf der Hilfskonvoi für das Kinderdorf in Nepal: 12.000 km Landweg durch halb Europa, die Türkei, durch Iran, Pakistan und Indien bis zum Kinderdorf. Ein Krankenwagen und ein Feuerwehrwagen bleiben in Nepal, die Besatzung fliegt zurück. Der von Herbert Albrecht gesteuerte Laster mit Anhänger enthält Hilfsgüter verschiedener Art und wird von Herbert Albrecht alleine zurückgefahren.
Der Konvoi - 12.000 km Landweg nach Nepal
Die Mannschaft
Herbert Albrecht und Manfred Losert. Herbert Albrecht (links) leitet den Konvoi und fährt den Laster mit Anhänger wieder zurück (macht hin und zurück insgesamt 24.000 km Fahrstrecke). Manfred Losert ist einer der Initiatoren der Nepalhilfe im kleinen Rahmen.
Abfahrt! Ein Reiseblog des Konvois (in frischem jugendlichen Deutsch, etwas von den Kämpfen mit fremden Tastaturbelegungen etc. gebeutelt, aber mit schönen Bildern) findet sich hier ! Impressionen von der Fahrt des Konvois (PDF, 3.221 KB) Ausführlicher Reisebericht von Herbert Albrecht (PDF, 413 KB) Weitere Informationen bei: Manfred Losert Spenden Sie bitte an das Spendensonderkonto der Marktgemeinde Cadolzburg Spendenquittungen können ab 50,- € ausgestellt werden.
Der Phewasee von Pokhara aus gesehen. Am anderem Seeufer etwas rechts der Bildmitte (bzw. rechts hinter dem Boot) befindet sich das Kinderdorf. Foto: Manfred Losert. |
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