Dr. Alexander Mayer


Dr. Alexander Mayer

Ich bin geboren am 24. März 1960 in Fürth im schönen denkmalgeschützten Anwesen Rudolf-Breitscheid-Straße 25 und aufgewachsen zunächst in der Südstadt (Benditstraße 17). Meine Eltern zogen mit mir 1965 nach Zirndorf unterhalb der Alten Veste.

Mein Vater war der Physiker und Rundfunkpionier Walter Mayer, geboren in Falkenstein im Taunus. Nach seinem Kriegsdienst bei der Luftwaffe, Abitur und Studium der Physik in Frankfurt/M. bewarb er sich 1951 bei Grundig in Fürth, wurde dort eingestellt und war 40 Jahre bei diesem Unternehmen. Er arbeitete dort vor allem im Bereich der Fernseh- und Videotechnik.

Meine Mutter Adolfine, geboren in Hüttenbach bei Simmelsdorf, aufgewachsen de facto als Straßenkind, schlug sich bis zur Heirat 1955 mit verschiedenen Jobs durch. Als Fotomodell ist sie unter anderem mit Johannes Heesters zu sehen. Ein interessanter Zufall ist, dass sie im Haus Haunachstraße 50 geboren ist. Dort wohnte zuvor eine gewisse Jenny Hirschmann, die später in Fürth lebte und für die in Hüttenbach ein Stolperstein verlegt ist, nicht jedoch in Fürth. Dies war eines der Schlüsselerlebnisse, die zum Entschluss führten, in Fürth Stolpersteine auch gegen den Willen der Stadt verlegen zu lassen (siehe unten).

Von meiner Verwandtschaft gäbe es viel Bemerkenswertes zu erzählen, ich erwähne hier nur ein paar Schlaglichter: Mein Vetter, der bekannte Neurologe und Epileptologe Thomas Mayer, leitet in Kleinwachau bei Dresden eine Fachklinik für Epilepsie. Mein Urgroßvater war Gründungsdirektor der Weinanbauschule Oppenheim. Meine Großmutter väterlicherseits musste als alleinerziehende Mutter große Teile ihrer Grundstücke verkaufen, um meinem Vater und seinem Bruder eine Ausbildung zu ermöglichen, deswegen gibt es in Falkenstein/Taunus eine Straße mit den Namen „Mayers Gärten“. Meine Großeltern mütterlicherseits heirateten in Swakopmund (heute Namibia), mussten aber 1919 mit damals schon fünf Kindern zurück nach Deutschland. Meine Mutter wurde dann das zwölfte Kind und war somit das Patenkind des damaligen Reichskanzlers.

Schon als Kleinkind hatte ich viel Glück in Leben. Vor allem: Ich bekam als Kleinkind Contergan … meine Mutter nahm es während der Schwangerschaft jedoch nicht. Mit dem Umzug nach Zirndorf 1965 kam meine Schwester Caroline zur Welt. Wir verlebten eine sorgenlose Kindheit, bis die Geschäfte bei Grundig nicht mehr rund liefen, was sich unmittelbar auf die Gesundheit meines Vaters niederschlug.

Die Schule absolvierte ich gelangweilt, aber einigermaßen ordentlich. Noch vor dem Abitur spielte ich mit dem Gedanken, mich zwei Jahre bei der Bundeswehr zu verpflichten. Im Rahmen der aufgeheizten Diskussion zum NATO-Doppelbeschluss kam ich von diesem Vorhaben ab. Mein Zivildienst im Bereich der Altenpflege und beim Sozialen Mobilen Hilfsdienst der Arbeiterwohlfahrt war mir ein persönlicher Gewinn.

Für meine Zeit bis etwa 1980 kann ich auch auf mein autobiografisches Buch Aufgewachsen in Fürth in den 60er und 70er Jahren verweisen.

Ich hatte 1975 angefangen, Gitarre zu lernen und machte darin schnelle Fortschritte, so dass ich 1978 – noch vor dem Abitur – von Klaus Kreitschmann, Eigentümer des Musikgeschäfts KMK am Grünen Markt in Fürth, als Gitarrenlehrer engagiert wurde. Da es mir so unmittelbar vor dem Abitur zu viel wurde (immerhin vier ganze Nachmittage), fragte ich nach einigen Wochen meinen Mitschüler Robert Wagner, ob er mir aushelfen könne. Er tat das und machte später mehr daraus als ich: Er wurde später der Gründer und Schulleiter der Musikschule Fürth. Ich selbst wollte zunächst auf das Konversatorium und dort Gitarre studieren und ließ mir (nach einer Zwölfsaitigen Gitarre) von Roland Oetter eine Klassik-Gitarre bauen, die ich noch heute besitze. Ich konnte mich aber dann doch nicht mit dem strengen Korsett klassischer Musik anfreunden, zudem verletzte ich mich inoperabel an einem Fingergelenk, als ich im Schwimmbecken gegen die Wand kraulte.

Zunächst wollte ich daraufhin Real- oder Berufsschullehrer werden. Davon wurde seinerzeit u.a. von den einschlägigen Dozenten auf Veranstaltungen zur Berufswahl der Uni Erlangen-Nürnberg abgeraten und ich folgte dem Rat. So kam ich zum Magister-Studium und dabei zu den Fächern Politische Wissenschaft, Geographie und Neuere Geschichte (kurzzeitig auch Musikwissenschaft, Soziologie und Archäologie).

Mit dem Studium wandte sich mein Interesse weg vom Gitarrenspiel, dem ich einige Jahre so viel Zeit gewidmet hatte. Immerhin gewann ich 1978 bei einem Nachwuchswettbewerb mit meiner Zwölfsaitigen Gitarre einen dritten Platz. Ich war (und bin) Solist auf der Akustikgitarre, so dass ich nur einmal den Versuch mit Band und E-Gitarre wagte. Der einzige Auftritt dieser Band namens „Scheidungsgrund“ ging vor allem wegen des volltrunkenen Bassisten nicht in die Musikgeschichte ein.

Nach einem kurzen Engagement bei den Jungdemokraten (damals die Jugendorganisation der FDP) trat ich 1983 nach einer Veranstaltung mit Petra Kelly den Grünen bei. 1984 wurde ich zum Stadtrat in Zirndorf und zum Kreisrat (Landkreis Fürth) gewählt. Zuvor hatte ich 1983/84 maßgeblich die Ortsverbände Zirndorf, Oberasbach und Stein der Grünen (mit-) gegründet. In Zirndorf wurde gerade zu jener Zeit mächtig gegen die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber in Nordbayern agitiert, zuvorderst vom SPD-Bürgermeister Röschlein. Viele Jahre später wieder aktuell werdende Ressentiments wurden schon damals formuliert, aber eben von der lokalen SPD. Ich selbst war mit der Thematik an sich zuvor nicht befasst gewesen, nahm aber als einziger Stadtrat Stellung für die Schutzsuchenden und gegen die Diskriminierung fremdländisch aussehender Menschen, wie sie de facto dann durch das Zirndorfer Hallenbad-Verbot für Asylbewerber auf die Spitze getrieben wurde (abgewiesen wurden immer dunkelhäutige Menschen). Auch ansonsten war ich eine Ein-Mann-Opposition im Zirndorfer Stadtrat, da SPD und CSU sich in praktisch allen Fragen einig waren und nur zur Wahl so taten, als wenn es irgendwelche Unterschiede gäbe. Anders verhielt es sich im Kreistag, wo die Grünen oft mit der oppositionellen CSU gegen Landrat Sommerschuh und seien SPD zusammenarbeitete bzw. zusammenarbeiten mussten. Hauptsächliche Themen waren der Flächenfraß udn die Anheizung des Autoverkehrs durch die Ausweisung von Baugebieten und den Straßenbau, so der Bebauungsplan Altfeld in Zirndorf und die Verbindungsstraße-West, die vierspurig durch das heutige Naturschutzgebiet Hainberg führen sollte. Ein weiteres wichtiges Arbeitsgebiet waren die Müllverbrennung Zirndorf und diverse eplante Mülldeponien. So wie Dinge standen, mussten die wir - also ich als Stadtrat und die grüne Fraktion im Kreistag - immer gegen die vorgegebenen Lösungen sein. Gestalterisch waren uns durch die Mehrheitsverhältnisse weitgehend die Hände gebunden.

Nachdem im Jahre 1988 meine Magisterarbeit zur Kommunalpolitik in Nürnberg gut ankam und auf Betreiben meines Professors Gotthard Jasper in einer wissenschaftlichen Reihe veröffentlicht wurde, erhielt ich von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen ein Promotionsstipendium.

Anlässlich eines Streites über die Aufstellung der Kreistagsliste verließ ich die Grünen 1989. So war ich zunächst parteilos im Kreistag und im Stadtrat, wurde aber 1990 nochmals in den Zirndorfer Stadtrat gewählt. Auf eine nochmalige Kandidatur für den Kreistag hatte ich verzichtet. Ich gab jedoch im Februar 1991 mein Mandat zurück (indem ich mich nach Fürth ummeldete), da eine von mir vertraulich dem Zirndorfer 1. Bürgermeister gegebene Information von diesem gegen mich verwendet wurde (anstatt sie ernsthaft zu überprüfen) und ich mich im Rahmen meines Stipendiums voll auf meine Promotion konzentrieren wollte. Meine Dissertation beschäftigte sich mit der „Theorie der Politikverflechtung“ von Fritz W. Scharpf und deren Übertragbarkeit auf die Kommunalpolitik. Als das Stipendium Ende 1990 ausgelaufen, meine Dissertation aber noch nicht fertig war, nahm ich eine Berufstätigkeit im Presseamt der Stadt Fürth auf, wo ich vor allem als Redenschreiber für den damaligen Oberbürgermeister Lichtenberg agierte. Da die notwendige Übereinstimmung zwischen Redner und Redenschreiber nicht erzielt werden konnte und ich zudem die Kompetenz meiner Chefinnen anzweifelte (die Stadtpitze trat später meiner Meinung bei und entfernte beide aus ihrer Funktion), verließ ich nach einem halben Jahr das Presseamt wieder. In jener Zeit trat ich in die SPD ein.

Im Jahre 1992 konnte ich das Studium mit Promotion bei Gotthard Jasper, Eugen Wirth und Günter Schödl abschließen (Politische Wissenschaft, Geographie und Neuere Geschichte). Meine Hoffnung, beruflich in der Universität unterzukommen, wurde nicht erfüllt. Ich hatte mich zu wenig um die hierfür notwendigen persönlichen Beziehungen und Netzwerke gekümmert.

Seit 1990 engagierte ich im damals noch relativ jungen und kleinen Verein Geschichte Für Alle e.V. und damit vermehrt für die Lokalgeschichte von Fürth und Nürnberg. Im Jahre 1993 wurde ich zum 1. Vorsitzenden des Fürther Altstadtvereins gewählt. Nach sehr unterschiedlichen beruflichen Tätigkeiten, so beispielsweise im sehr lukrativen Geschäft mit Gewerbeimmobilen und später im Stadtplanungsamt Schwabach, widmete ich mich von 1995 bis 2018 in erster Linie der Familie, meinen beiden Kindern und dem Ausbau bzw. Neubau mehrerer Immobilien. Darunter war ein Holz-Lehmhaus, in das ich viel Eigenleistung investierte. Sowohl die Lokalpresse wie auch überregionale Fachzeitschriften berichteten darüber, es wurde von Architektur-Seminaren besucht.

1996 spielte ich eine Audio-CD für Solo-Gitarre ein (veröffentlicht 1997). Ich benutze dabei vor allem die schon erwähnte Zwölfsaitige Gitarre, die ich 1977 dem Gitarrenbauer Roland Oetter abgekauft hatte. Das Projekt, das ich nun im Streetlife Studio Fürth mit der damals neuen Digitaltechnik einspielte, war aber eher ein Rückblick, denn das musikalische Material stammte ganz überwiegend aus den 1970er Jahren.

2004 wurde ich zum Stadtheimatpfleger meiner Geburtsstadt Fürth gewählt. Hier engagierte ich mich vor allem im Denkmalschutz. Zu meiner Tätigkeit kann ich auf meine „Rundbriefe des Stadtheimatpflegers“ verweisen, die auch auf FürthWiki im Original abrufbar sind. In Ausübung des Amtes engagierte ich mich vor allem im Bereich des Denkmalschutzes, unter anderem setzte mich für die Erhaltung des historischen Lokschuppens in Fürth ein, engagierte mich für die Erhaltung der Fürther Gustavstraße als traditionelles Zentrum der Kneipenkultur und initiierte einen Gedenkweg für die Schlacht an der Alten Veste (in Ergänzung eines bestehenden im Landkreis), für den ich die entsprechenden Gedenktafeln inhaltlich gestaltete.

2006 stieß ich zur Wikipedia und investiere dort bis heute dort viel Zeit und Arbeit, dies vor allem für Themen rund um den Ersten Weltkrieg, mein historisches Steckenpferd. Auch in FürthWiki arbeite ich bis heute mit.

Im Jahr 2014 verließ ich nach 24 Jahren die SPD. Anlass, aber nicht Ursache, war meine Abwahl als Stadtheimatpfleger. Im Vorfeld war es im Auswahlerfahren zu Unregelmäßigkeiten zugunsten der bis heute amtierenden Konkurrentin gekommen, an denen die SPD-Fraktion aktiv beteiligt war. Im Übrigen war die Vorgeschichte mehr als merkwürdig: Der Widerstand gegen Teilaspekte des innerstädtischen Einkaufszentrums „Neue Mitte II“ brachte einige bei der Stadt und der SPD auf die Idee, mich durch eine bequemere Person zu ersetzen. Die „Rechtsverhältnisse der Heimatpfleger“ wurden daraufhin in einer Weise geändert, dass im Jahre 2014 eine Neu- bzw. Abwahl durch die SPD-Fraktion möglich wurde, die im Stadtrat die Mehrheit stellte. Zuvor wäre nur eine Abberufung aus wichtigem Grunde in Frage gekommen. Noch zu meiner Wahl im Jahre 2004 hatte sich der damalige SPD-Fraktionsvorsitzende und heutige 2. Bürgermeister Markus Braun ausdrücklich gegen eine solche Änderung verwahrt und hat dabei genau die Gründe formuliert, derentwegen einige Jahre später Oberbürgermeister und SPD die Änderung wollten: Markus Braun sprach 2004 von einem „unglaublichen Ansinnen“ und einem „fatalen Signal“ an Bewerber, um sie „mundtot“ zu machen. Im Auswahlverfahren 2014 kam es laut Dietmar Helm, dem damaligen CSU-Fraktionsvorsitzenden und heutigen 3. Bürgermeister der Stadt Fürth, zu einem „massiven Verstoß gegen die Verschwiegenheitspflicht bei nicht-öffentlichen Sitzungen“ zu meinen Ungunsten und zu Gunsten der dann gewählten Nachfolgerin: Die „von der SPD-Mehrheitsfraktion präferierte Kandidatin [erhielt] nach den Vorstellungsgesprächen detaillierte Informationen über die Argumente und das Abstimmungsverhalten von Fraktionsvertretern.“ Auch das sogenannte Rückwirkungsverbot – eigentlich ein Grundprinzip des Rechtsstaats – interessierte niemanden bei der Stadt: Ich wurde 2004 zum Stadtheimatpfleger berufen, als andere „Rechtsverhältnisse“ galten (unbefristete Bestellung); die Änderung erfolgte erst gut 10 Jahre später.

Rückblickend glaube ich, dass ich mit meiner Haltung in Fragen negativer Veränderungen des Stadtbildes und der Zerstörung von denkmalgeschützten Gebäuden zu einer Sensibilisierung der Stadtgesellschaft beigetragen habe, die mittlerweile aber wieder zunehmend eingeschläfert wird. Künstlich wird heute ausgerechnet das Landesamt für Denkmalpflege in München als Gegner aufgebaut, um von eigenen Versäumnissen und bewussten Unterlassungen abzulenken. Ein Beispiel: Auf der einen Seite wird das Landesamt für Denkmalpflege dafür kritisiert, dass es die Kofferfabrik nicht unter Denkmalschutz stellt und damit einen (in Fürth) zweifelhaften Schutz für das Gebäude und die Institution schafft; auf der anderen Seite stimmte die heutige „Stadtheimatpflege“ aber zu, dass in der gleichen Straße ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude abgerissen wurde (ehemalige Spiegelfabrik Lange Straße 53).

Im Zusammenhang mit meiner Tätigkeit als Denkmalpfleger war ich einer der Mitgründer des Denkmalnetzes Bayern. Das Beste, was ich als Stadtheimatpfleger gemacht habe, ist jedoch eindeutig das Glockenspiel im Rathausturm. Die Geschichte ist gut auf Wikipedia und FürthWiki dokumentiert, so dass ich sie hier nicht wiederholen brauche. Ich wurde hierzu mehrfach zu Fernseh-Quizshows eingeladen, so zum Beispiel in Deutschlands größte Geheimnisse vom 6. Oktober 2024 und Sag die Wahrheit am 6. Oktober 2025.

Im persönlichen Bereich gab es zwischen 2007 und 2018 einige – teilweise tragische – Umbrüche. Einiges möchte für mich behalten. Es fing an mit einem schweren Schlaganfall meines Vaters, der ihn bis zu seinem Ableben an das Bett fesselte. Danach folgte ein schwerer Unfall der Schwester, die seitdem schwerbehindert ist, aber ihr Leben inzwischen wieder meistert, unter anderem als Lachyoga-Dozentin und als zertifizierter Clown. 2015 starben kurz hintereinander meine Eltern, mein Vater letztendlich wohl durch ein zu hohe Eingangsdosis eines starken Schmerzmittels bzw. dadurch verursacht an Atemstillstand. Meine Mutter starb in Folge eines ärztlichen Fehlers bei einem an sich unkomplizierten operativen Eingriff.

Im Jahre 2018 bin ich – damals kurzzeitig euphorisiert im Zusammenhang mit dem Wahlerfolg bei der Landtagswahl – zurück zu den Grünen gekehrt, die ich 2022 schwer enttäuscht wieder verließ. Zentrale Personen des Ortsverbandes – vor allem die derzeitige Landtagsabgeordnete – achteten bzw. achten die Freiheit des Wortes nicht und haben autokratische, demokratiefeindliche Einstellungen, was leider vom Rest toleriert wird. Das kann ich gerade im Hinblick auf das aktuelle Zeitgeschehen und als Mitglied von Exil-PEN nicht akzeptieren. Abgesehen davon interessieren sich manche Grüne für die Probleme der Menschen nur dann, wenn sie in die eigene politische Agenda passen. Vor allem aber: Eine wichtige Funktion von politischen Parteien ist die Auswahl von geeignetem Führungspersonal zur Übernahme von Ämtern und politischen Mandaten. Diese wesentliche Funktion zeitigt bei Bündnis 90/Die Grünen generell auf allen Ebenen unbefriedigende Ergebnisse. Einfach ausgedrückt: Die politischen Grundideen der Grünen sind gut, das Personal schlecht. - Somit sind die Grünen für mich heute das, was die SPD in den 1970ern war: das kleinere Übel.

Mehr Befriedigung als die Politik schuf mir die Tätigkeit als Publizist: Bis heute schrieb ich gut 20 Bücher, zunächst überwiegend politikwissenschaftlicher, später lokalgeschichtlicher Natur. Im November 2023 erschien im Verlag Königshausen&Neumann mein Opus magnum Der Schwebende, eine Mischung aus Reiseerzählung und Geschichtsbuch mit einem kleinem Quantum Roman. Der Verlag hat dann der Einfachheit halber nur Roman darunter geschrieben, was irreführend ist. Mea culpa, ich hätte es natürlich korrigieren können. Es gab in den Nürnberger Nachrichten von Herbert Heinzelmann eine freundliche Kritik, in den Fürther Nachrichten eine weniger freundliche, die aber meinen "Roman" - vermutlich unbedacht - adelte, als sie ihn mit Tolstois Weltbestseller "Krieg und Frieden" verglich. Vor allem aber durfte ich den Schwebenden auf Einladung des PEN in der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt vorstellen.

In der letzten Zeit versuchte ich wieder vermehrt zur aktiven Musik zurückzufinden, bisher aber neige ich immer noch eher der Prosa zu. Immerhin konnte ich 2017 nach 40 Jahren Unterbrechung wieder einen kleinen Musikpreis – dieses Mal für Ukulele – gewinnen und absolvierte in den 2020ern mit meiner Partnerin einige vom Publikum durchaus wohlwollend aufgenommene Musikdarbietungen.

Ich war in meinem Leben bei einer Vielzahl von Vereinen und Parteien aktiv. Inzwischen engagiere ich mich im Wesentlichen nur noch bei Geschichte Für Alle e.V., im FürthWiki und in der Wikipedia sowie für meine Partnerin Christiane Altzweig und deren Pappmaschee Universum. Das schließt weitere Engagements in Einzelfällen nicht aus, so zum Beispiel für das Glockenspiel im Rathausturm oder in Bezug auf das Andenken von Jakob Wassermann und Ruth Weiss.

Mittlerweile lebe ich wieder in der Fürther Innenstadt in einer ehemaligen Wohnung von Jakob Wassermann, dem einstmals so berühmten Fürther Schriftsteller. An meinem Haus (ich bin Miteigentümer) brachte ich eine Gedenktafel für Ruth Weiss und Jakob Wassermann an, die dort einst wohnten. Ruth Weiss, die im Haus 1924 geboren wurde (was ich erst durch sie erfuhr), nahm daraufhin Kontakt mit mir auf, der bis zu ihrem Tod im Alter von 101 Jahren nicht abriss. In diesem Zusammenhang wurde ich in die Schriftstellervereinigung PEN-Exil aufgenommen. Zur Beerdigung von Ruth Weiss auf dem Alten Jüdischen Friedhof in Münster brachte ich Heimaterde aus dem Innenhof der Theaterstraße 17 mit, mit der sie nun in ihrem Grab ruht.

Als de facto Rentner (de jure ab August 2026) leite ich seit 2019 wieder – wie schon 1990 bis 1993 – historische Stadtführungen für den Verein Geschichte Für Alle e.V. in Nürnberg und Fürth, dabei überwiegend am ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg, aber auch in Fürth, im Memorium Nürnberger Prozesse, in der Nürnberger Innenstadt, am Friedhof St. Johannis sowie in Gostenhof.

Mein neuestes Projekt (gegen viele Widerstände) ist die Etablierung von Stolpersteinen in Fürth. Da der Ältestenrat im Oktober 2025 die Verlegung von Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig auf öffentlichen Grund wiederum ablehnte, finden die ersten acht auf Privatgrund ihren Platz. Da die Wartezeit für Stolpersteine derzeit gut ein Jahr beträgt, dürfte das nicht vor Herbst 2026 erfolgen. Aber es wird kommen.

(Stand: Januar 2026)